t3n-Magazin über eine Welt ohne Geld

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t3n-Magazin über eine Welt ohne Geld

Beitrag von kevin »

Ohne Bezahlung würde Captain Picard keinen Finger krümmen

„Star Trek“-Erfinder Gene Roddenberry erhoffte sich eine Welt ohne Geld. Zukünftig würden demnach alle aus freien Stücken etwas zum Gemeinwohl beitragen, so dachte er. Jeder würde ganz selbstverständlich den Posten übernehmen, der am besten zu den eigenen Fähigkeiten passt – vom Captain des Flaggschiffs der Föderation bis hin zum Telefondesinfizierer. Alle wären gleich. Und das ist logischerweise kompletter Unsinn.

Roddenberrys Phantastereien wurde alsbald ein Ende gemacht, als er nicht mehr selbst die Zügel bei den diversen „Star Trek“-Serien in der Hand hatte. Da gab es dann doch Handel und wertvolle Güter wie „goldgepresstes Latinum“ und, endlich, Krieg. Viel Krieg. Mit Befehlen wie: „Feuern nach eigenem Ermessen“ usw. usf. Und nicht mehr diese kosmische Version einer Menschheit als kollektiver Hippiekommune, die immer und überall Frieden und Fortschritt bringen will. Langweilig! Wir wollen Photonentorpedos sehen! Viele! Und Schilde bei 10 Prozent, die nur durch Umleiten der Hilfsenergie aus der Seitenphalanx sowie einem gerichteten Tachyonenstrahl aus dem Hauptdeflektor...

Aber zurück zu den Themen, die jeden interessieren: Moneten, Penunzen und Knete.

Man muss sich eine solche Welt ohne Geld nur einmal vorstellen: Da lassen sich also Leute wie Captain Jean-Luc Picard freiwillig und komplett intrinsisch motiviert jede Woche in Lebensgefahr bringen, haben kein Privatleben und werden dafür auch noch ständig durch die Gegend gebeamt. Ja klar, sehr realistisch. In der echten Welt bekäme Picard dafür selbstverständlich einen Haufen Asche, Kohle und Schotter, um sich davon nicht nur eine flotte Raumyacht leisten zu können, sondern ebenso Villen an den schönsten Meeren des Universums. Hier könnte Picard dann junge, hübsche und vor allem weibliche Nachwuchskadetten mit seinen Storys beeindrucken. Und wenn es kein Geld gäbe, könnte er schließlich genauso gut einfach auf irgendeinem Strandplaneten abhängen und sich mit Cocktails um den Verstand trinken, anstatt sich Woche um Woche mit neuen Zivilisationen herumzuplagen.

Aber nein: Picard will unbedingt der Menschheit einen nützlichen Dienst erweisen. Einfach so.

Lebenslanges Nullsummenspiel
Douglas Adams hat es (wie so oft) auch beim Thema Geld in seinem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf den Punkt gebracht: Menschen seien unglücklich, schreibt er, und versuchten das über das „Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen“ zu lösen. „Und das ist einfach drollig, weil es im Großen und Ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen sind, die sich unglücklich fühlen.“ Das stimmt natürlich. Aber das interessiert nun einmal niemanden.

Heute wird das alles sogar virtuell und es dreht sich meist nur noch um das Hin und Her von Zahlen, die irgendwo gespeichert sind. Manche führen gleich komplett neue Währungssysteme wie Bitcoin ein. Andere versuchen, zur Tauschgesellschaft zurückzukehren. Wieder andere schreiben unglaubwürdige Science-Fiction-Serien, in denen es kein Geld gibt.

Aber wie dem auch sei: Tatsächlich gibt es eine gewisse latente Geldlosigkeit auch bei mir. Ich brauche dazu nur einen Blick auf mein Konto zu werfen. Ich will mich nicht beschweren: Das Geld ist ja da, nur eben nicht lange. Im Prinzip ein lebenslanges Nullsummenspiel, wenn alles einigermaßen gut läuft.

Und wenn das Geld nun abgeschafft würde? Wenn ich ehrlich bin, würde ich trotzdem nicht am Strand liegen und mich mit Cocktails um den Verstand trinken. Naja, jedenfalls nicht lange. Oder nicht sehr lange. Irgendwann käme der Tag, da bin ich mir sicher, an dem mir ganz elendig langweilig würde. Und dann hätte ich Lust, mal wieder etwas zu schreiben – auch ohne Geld.

Inwiefern das ein nützlicher Dienst an der Menschheit wäre, steht dabei allerdings auf einem anderen Blatt.

Quelle: t3n-Magazin
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Re: t3n-Magazin über eine Welt ohne Geld

Beitrag von kevin »

Wie ich finde leider ein sehr schwacher Artikel über ein wirklich interessantes Thema.

Wie könnte unsere Zukunft ohne Geld aussehen? Welche Probleme wären gelöst? Welche neuen Probleme gäbe es ohne Geld?

Ein User (ickMuc) Schreibt als Antwort auf diesen Artikel folgendes:
"Ich würde jederzeit meinen Beitrag, nach meinen Fähigkeiten auch ohne Geld leisten.
Wenn die Grundbedürfnisse des Lebens einmal erfüllt sind (Essen, Wohnen, Gesundheitsversorgung) - dann geht es darum "seinen" Platz in der Gesellschaft zu finden. Diese Anerkennung ist sicher mehr Lohn, als so mancher aktuell bekommt.
Die Menschen werden noch etwas Zeit brauchen, doch vielleicht erreichen wir die nächste Entwicklungsstufe. Wenn nicht, werden wir untergehen"


Ich persönlich teile diese Meinung und glaube fest daran dass wir dieses Ziel erreichen können.
ling angline

Re: t3n-Magazin über eine Welt ohne Geld

Beitrag von ling angline »

Nur... Wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind und wir "unseren" Platz suchen, bilden da die Plätze nicht eine Pyramide analog zur Bedürfnispyramide von Maslow? Und wenn es eine Pyramide gibt, gibt es auch die Menschen ganz unten? Wie kommst du an deinen Platz? Durch Leistung? Durch Charakter? Wäre es nicht besser, wir würden uns trennen von diesem Bild, bei dem jeder seinen Platz hat zu einem neuen Bild, wo die Gesellschaft Plätze zur Verfügung stellt und wir, wann immer wir wollen, die Plätze selbst auswählen dürfen? ;)
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kevin
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Re: t3n-Magazin über eine Welt ohne Geld

Beitrag von kevin »

Hi ling angline und willkommen im Forum ;)

Du meinst also man sollte sich nicht selbst verwirklichen können sondern das nutzen was einem zur Verfügung gestellt wird?
Ich denke dass es bei diesem Beispiel auch eine Pyramide geben wird. Die Gesellschaft stellt Plätze zur Verfügung. Wer darf das sein? Das muss wohl eine Organisation sein die viel Macht besitzt. Dann kann es wieder zu ungerechter Verteilung kommen.

Ich denke eine "Arbeits-Pyramide" wird es so oder so geben. Es gibt Menschen die z.B. gerne Verantwortung tragen, andere arbeiten lieber im Hintergrund. Natürlich wird es immer noch bedeutendere und unbedeutendere Jobs geben.
Wenn jeder Mensch gleichgestellt ist, spielt es aber keine Rolle welche Arbeit man ausübt. Ohne Geld dann sowieso. Jeder Mensch hat die gleichen Rechte und Werte, egal ob er in der Politik ist oder unsere Strassen sauber hält.

Wenn die Grundbedürfnisse erst einmal gedeckt sind, spielt Leistung nicht mehr eine so potente Rolle wie sie es jetzt tut. Aktuell ist es ja so: mehr Leistung -> mehr Geld -> mehr Wohlstand und Ruhm...
Ohne Geld darf dann jeder für sich entscheiden wie viel Leistung er erbringen will und wie viel Ruhm er geniessen möchte da Ruhm nichts Materielles mehr ist.
Man kann sich also verwirklichen ohne existentielle Probleme zu bekommen. Und da jeder DAS finden darf und soll wo er stark ist und was ihm gefällt, steigert es automatisch die Leistung. (sollte es zumindest).
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